Die US-Online-Videothek Netflix will sich in den kommenden Jahren schrittweise vom Postversand verabschieden und Filme direkt über das Internet zu seinen Kunden transportieren.
Zu diesem Zweck ging der Anbieter eine Kooperation mit dem südkoreanischen Hersteller LG-Electronics ein, mit dem eine Hardware-Komponente zum direkten Streamen von Videos auf den heimischen Fernseher entwickelt werden soll, wie das Unternehmen am Mittwochabend (Ortszeit) im kalifornischen Los Gatos mitteilte. Künftig seien weitere Partnerschaften mit anderen Herstellern aus der Unterhaltungselektronik- und PC-Branche angestrebt, hieß es.
Durch die vollständige Umstellung auf elektronische Distribution könnte Netflix Beträge im dreistelligen Millionen-Bereich einsparen. Das Unternehmen versorgt in den USA derzeit nach eigenen Angaben über sieben Millionen Kunden regelmäßig mit aktuellen Filmen. Die Portokosten machen derzeit den überwiegenden Anteil der laufenden Ausgaben aus. Bereits 2007 hatte Netflix seine Video-on-Demand-Plattform "Instant Viewing" eingeführt, die jedoch lediglich über PCs mit dem Betriebssystem Windows zugänglich ist.
Durch die Partnerschaft mit LG komme man dem häufig geäußerten Wunsch entgegen, die Filme ohne Umweg am Fernseher im Wohnzimmer anzusehen, betonte das Unternehmen. Das elektronische Archiv von Netflix umfasst aktuell rund 6.000 Spielfilme und Fernsehserien. Netflix-Chef Reed Hastings formulierte den ehrgeizigen Wunsch, man wolle seine Abonnenten künftig auf jedem Gerät mit Internet-Anbindung erreichen. Dazu zählten Fernseher ebenso wie Spielekonsolen, HD-DVD- und Blu-ray-Player sowie Settop-Boxen und HTPCs.
Netflix peilt eine Zielgruppe von rund 41 Millionen US-Haushalten an, die über entsprechende Breitband-Zugänge verfügen. Nach eigenen Angaben sollen bis Ende 2012 etwa 20 Millionen Abonnenten gewonnen werden. Der DVD-Verleiher konkurriert damit unter anderem mit bereits eingeführten Angeboten von Starz, MovieBeam, MovieLink oder CinemaNow.
Erste LG-Geräte mit Netflix-Zugang sollen den Angaben zufolge in der zweiten Jahreshälfte in den Handel kommen. Unter anderem soll die Technik in neuen HDTV-Fernsehern mit drahtloser Internet-Anbindung sowie in HD-DVD- und Blu-ray-Playern des Herstellers integriert werden.